Die Ausgangslage

Ohne regionales Engagement können auf höherer Ebene politisch vereinbarte Klimaschutzziele wie auch energiepolitische Zielsetzungen nicht erreicht werden. Regionale Selbstversorgung mit erneuerbaren Energien (EE) bei Strom und Wärme und Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und -einsparung können hierzu einen entscheidenden Beitrag leisten. Kommunen und Regionen haben die Möglichkeit, Rahmenbedingungen zu gestalten, Umsetzungshemmnisse zu beseitigen, ihre BürgerInnen und Unternehmen zum Mitwirken zu motivieren und letztlich durch den Ausbau dezentraler Versorgungssysteme regionale Wertschöpfung und kommunale Selbststeuerung zu stärken. Und in der Tat: Das Ziel der Selbstversorgung mit EE ist in Deutschland weit verbreitet, wie die Ergebnisse der Studie in der Vorphase unseres Projekts „EE-Regionen: Sozialökologie der Selbstversorgung“ gezeigt haben.

Soll eine Selbstversorgung mit EE erreicht werden, gilt es, die standortgerechten Potenziale der Nutzung von Biomasse, Sonne, Wind, Wasser und Erdwärme einzuschätzen, Möglichkeiten einer energieeffizienten Nutzung und von Energieeinsparung zu evaluieren sowie bereits bestehende Energienetzstrukturen und Ausbaupotenziale zu erheben und ganzheitlich zu betrachten.
Der Biomasse, deren Nutzung in den letzten Jahren eine große Dynamik erfahren hat, wird einerseits besonderes Potenzial zugeschrieben. Biomasse ist für vielfältige Nutzungspfade einsetzbar; sie ist zudem in ihrer Eigenschaft als speicherbarer Energieträger sehr gut in das konventionelle Energiesystem integrierbar, kann Verfügbarkeitsschwankungen anderer EE (Sonne und Wind) ausgleichen und ist damit wichtiger Bestandteil von EE-Selbstversorgungsstrategien. Die Nutzung der Biomasse hat andererseits aber erhebliche Auswirkungen auf Sozio- und Biosphäre. Es ergeben sich Konflikte mit Blick auf die ökologische und soziale Tragfähigkeit von Systemen (z.B. Biodiversität, Landschaftsbild, soziale Gerechtigkeit) und durch Landnutzungskonkurrenzen (Nahrungsmittelproduktion, stoffliche Nutzung, Naturschutz). Betrachtet man zudem die Bioenergienutzung als Bestandteil einer übergeordneten Strategie der Erreichung einer Selbstversorgung mit EE, sind Konflikte mit „herkömmlichen“ Energieversorgern zu erwarten.
Mit dezentralen Ansätzen steigt das Risiko einer Versorgungsunsicherheit (Unter- und Überangebot von Energie durch Abhängigkeit von natürlichen Ressourcen und noch nicht ausgereifter Speichertechnologie). Bioenergienutzung kann hier entscheidend zur Sicherung beitragen. Zudem müssen BürgerInnen, Unternehmen und Verwaltung an der Umsetzung dieser Zielsetzungen mitarbeiten. Ohne entsprechendes Nachfrageverhalten, eine entsprechende Investitionsbereitschaft und eine Bereitschaft zur Mitgestaltung der Konzepte auf der einen Seite und einen sparsamen und effizienten Umgang mit Energie auf der anderen Seite lassen sich EE Selbstversorgungsziele nicht erreichen. Somit ist eine Betrachtung ökologischer und sozialer Aspekte im Zusammenwirken mit ökonomischen und technischen Aspekten unabdingbar.